Beim Mobilitätssymposium am Forschungs- und Innovationscampus Zukunftsmeile 2 in Paderborn kamen auf Einladung des SI-Labs der Universität Paderborn und des Vereins Neue Mobilität Paderborn (NeMo) über 100 Akteur*innen aus Wirtschaft, Forschung und öffentlicher Hand zusammen, um über innovative Mobilitätslösungen zu diskutieren. Die Fachveranstaltung fand im Kontext des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Transformationshubs „DiSerHub“ statt, zu dessen Konsortium die Universität gehört.
Im Mittelpunkt des Symposiums stand die Frage, wie ein intelligentes, datengetriebenes und vernetztes Mobilitätsökosystem konkret gestaltet und skaliert werden kann. Nach der Begrüßung durch Dr. Christoph Weskamp, Leiter des Innovationsbereichs „Seamless Mobility“ im SI-Lab der Universität Paderborn, NeMo-Geschäftsführer Jonathan Behm sowie Prof. Dr. Thomas Tröster, Vizepräsident für Forschung und akademische Karrierewege an der Universität Paderborn, rückten Keynotes und Workshops in den Fokus. Darin wurden unter anderem die Leitfragen erörtert, wie Fahrzeugdaten wirtschaftlich genutzt werden können, welche Rolle KI-Agenten im Bahnverkehr spielen und welche regulatorischen, technischen und wirtschaftlichen Hürden beim autonomen Fahren in Deutschland noch zu überwinden sind.
Einen praxisnahen Einblick in den aktuellen Stand autonomer Mobilität lieferte Prof. Dr. Ulrich Büker von der Technischen Hochschule Ostwestfalen Lippe. Die vorgestellten Projekte NeMo.bil, MonoCab und Ultimoverdeutlichten, dass autonomes Fahren keine Zukunftsvision mehr ist, sondern bereits heute erprobt wird – wenn auch noch nicht auf dem Niveau großskaliger RoboTaxi-Konzepte. Dass für die Skalierung nicht nur die Fahrzeuge, sondern vor allem Datenzugang und Datenökosysteme entscheidend sind, unterstrich Dr. Jens Knodel von CARUSO: Am Beispiel der Erfahrungen der vergangenen Dekade zeigte er, wie Datenmarktplätze als „Motor“ eines Mobilitätsökosystems wirken können – indem sie Telematikdaten aus vernetzten Fahrzeugen verfügbar, nutzbar und wirtschaftlich verwertbar machen und so neue Use Cases und Geschäftsmodelle ermöglichen. Wie KI-Agenten den bestehenden bundesweiten Schienenverkehr entlasten können, etwa durch eine verbesserte Disposition der Züge und somit weniger Verspätungen, zeigte Dr. Nicolai Erbs von T-Systems in seinem Vortrag – und wies zugleich auf ethische Fallstricke im KI-Einsatz hin. Auch die Perspektive der Nutzer*innen spielte eine zentrale Rolle. Prof. Dr. Kirsten Thommes, Professorin für Organizational Behavior an der Universität Paderborn, machte deutlich, dass datenbasierte Mobilitätslösungen nur dann wirksam sind, wenn Entscheidungen von KI-Systemen für Menschen nachvollziehbar und erklärbar bleiben.
Akteur*innen müssen überzeugt werden, in autonome Mobilität zu investieren
Einen wichtigen Impuls setzte Jann-Eve Stavesand, Leiter des Produktportfoliomanagement bei dSPACE und Vorstandsmitglied der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Initiative „Ecosystems Mobility 4.0“. Er betonte: „Die größte Herausforderung ist nicht die technologische Entwicklung, sondern vor allem das Etablieren von tragfähigen Geschäftsmodellen für autonome Mobilität. Viele Akteure aus verschiedenen Bereichen müssen davon überzeugt werden, in autonome Mobilitätslösungen zu investieren.“
Da diese Investitionsbereitschaft bislang noch begrenzt sei, verfolge Ecosystem Mobility 4.0 das langfristige Ziel, autonome Mobilität als tragenden Pfeiler für den Wirtschafts- und Industriestandort Deutschland und Europa zu etablieren. „Dazu bringen wir bislang lose Mobilitätsprojekte in einer ganzheitlichen Organisation zusammen“, so Stavesand. „Entscheidend ist die enge Zusammenarbeit von Forschung und Entwicklung, Anwendenden und Industrie.“ Die übergeordnete Frage bleibe: Wie gelingt der Übergang von einzelnen Pilotprojekten hin zu skalierbaren, wirtschaftlich tragfähigen Lösungen? Genau hier setzt auch der Transformationshubs DiSerHub an.
„Im Transformationshub DiSerHub bringen wir Industrie, öffentlicher Hand und Wissenschaft zusammen, um neue digitale Dienstleistungen und Geschäftsmodelle für vernetztes, autonomes Fahren zu entwickeln“, so Dr. Christoph Weskamp. „Wir betrachten dabei das gesamte Ökosystem, denn nicht nur die KI im Auto entscheidet über den Erfolg, sondern das Zusammenspiel von digitalen Services über alle Partner hinweg: Wenn ein Fahrzeug Glätte oder ein Hindernis erkennt, wird diese Information als Datenservice validiert, an andere Verkehrsteilnehmende und die Infrastruktur ausgespielt und fließt in Live-Updates für Routing und Karten ein – so wird Autonomie betreibbar, sicher und wirtschaftlich skalierbar.“
Das Mobilitätssymposium zeigte deutlich: Das Interesse an umsetzbaren Lösungen ist groß. Nun gehe es darum, vorhandene Ansätze wie etwa das On-Demand-Mobilitätssystem NeMo.bil konsequent im Reallabor weiterzuentwickeln und zu skalieren.