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Software Innovation
Campus Paderborn
Forschungs- und Innovationscampus Zukunftsmeile 2; Foto: Matern Architekten Bildinformationen anzeigen

Forschungs- und Innovationscampus Zukunftsmeile 2; Foto: Matern Architekten

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Revolution 4.0: Marken sterben, Menschen arbeiten weniger

Der digitale Darwinist Karl-Heinz Land zu Gast bei der Mittelstandsvereinigung Paderborn

Verdrängen, davon laufen, aussitzen – mit dieser Strategie werden Unternehmen im Zeitalter der Digitalisierung nicht nur zu den Verlierern gehören. Sie werden schlicht untergehen. „Adapt or die“ – passe dich an oder stirb – lautet denn auch die klare Botschaft des Kölner Strategieberaters Karl-Heinz Land. 160 Gäste folgten der Einladung der Mittelstandsvereinigung Paderborn (MIT), des CPS.HUB NRW und des Software Innovation Campus Paderborn (SICP). In seinem Vortrag in der VIP-Lounge der Benteler Arena verdeutlichte der renommierte Vordenker der digitalen Revolution, wie sich sowohl ökonomische, soziale aber auch ökologische Rahmenbedingungen in nur 20 bis 30 Jahren fundamental ändern werden: „Nichts ändert sich, nur alles.“

Paderborn, 5.5.2017. Das rasante Tempo ist wohl eines der für den Menschen spürbarsten Zeichen der digitalen Transformation, in der unsere Wirtschaft und Gesellschaft befinden. Wer sich die rasante technologische Entwicklung anschaut, weiß: Die Zyklen werden immer kürzer, die Geschwindigkeit wird weiter zunehmen. „Das hier wurde uns die letzten zehn Jahre als Telefon verkauft. Eine platte Lüge“, erklärt Karl-Heinz Land mit dem Smartphone in der Hand. „Es ist ein Computer, mit dem man auch telefonieren kann. Es hat die vier- bis fünffache Rechnerleistung des Rechners, der die Apollo 13 und die Menschen zum Mond und wieder zurückgebracht hat. Es wiegt 180 Gramm und kosten knapp 500 Euro. Der Rechner damals wog fünf Tonnen und kostete 120 Millionen Dollar. Das nennt man exponentielle Rechnerleistung.“

Alles, sofort, überall

„Digitaler Darwinismus“ lautete der Titel seines Vortrags. „Darunter verstehen wir, wenn sich Technologie und Gesellschaft schneller ändern, als Unternehmen in der Lage sind, sich daran anzupassen“, so Karl-Heinz Land. Große Marken sind der Digitalisierung bereits zum Opfer gefallen, zum Beispiel Neckermann, Praktiker und Quelle. „Sie haben zwei Jahrzehnte zugeguckt, was amazon macht. Heute gibt es sie nicht mehr.“ Die erste Stufe des Internets, das Consumer Internet, wurde in Europa quasi verschlafen. Die zweite Stufe „Industrial IT“ sieht er als große Chance. „Es ist ein riesiger Markt und wir sind in Deutschland sehr gut aufgestellt. Das Spiel ist noch nicht entschieden!“

Drei Kernthesen formulierte Karl-Heinz Land: Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Alles, was vernetzt werden kann, wird vernetzt. Und drittens: Alles, was sich automatisieren lässt, wird automatisiert. Das gelte für alle Bereiche, ob Wirtschaft oder Privatleben: Allein die Mobilfunkpenetration beträgt heute nahezu 100 Prozent. Gerade das Smartphone treibt die Digitalisierung mit immenser Kraft voran und hat das Konsumentenverhalten dramatisch verändert. Ich. Alles. Sofort. Überall – mit diesen Schlagworten beschreibt Land den König Kunde und seine Erwartungshaltung.

Weniger Arbeit?

Der Digitalisierung folge automatisch die Dematerialisierung. Bargeld, Schlüssel, Bahnticket, Pass – alles wird oder ist bereits durch eine mobile Software ersetzt. Das führt zu einer veränderten Wertschöpfungskette. Ohne Bargeld werden keine Maschinen zum Drucken von Geldscheinen oder Prägen von Münzen benötigt. Es werden entsprechend keine produzierenden Unternehmen benötigt. Und folglich auch nicht die dort beschäftigten Arbeitnehmer. Karl-Heinz Land ist überzeugt, dass in Zukunft immer weniger gearbeitet wird. Betrugen die Arbeitszeiten um 1825 82 Stunden bei einer Siebentagewoche, so sind wir heute bei der Fünftagewoche und 38 Stunden und in Zukunft wird es noch weniger sein. „Ich bin überzeugt, dass es daher das Grundeinkommen für alle geben wird und auch eine Maschinensteuer unerlässlich ist“, resümiert Land.

In den anschließenden Impulsreferaten von Dr. Gunnar Schomaker, SICP, und Prof. Dr. Gregor Engels von der Universität Paderborn ging es um derzeit heiß diskutierte Themen rund um die digitale Transformation wie softwaregetriebene Innovationen, den digitale Zwilling und Arbeit 4.0. Es wurde deutlich, dass in OWL die Zeichen der Zeit längst erkannt wurden. In gemeinsamen Projekten mit Unternehmen werden zu Forschungsfragestellungen Lösungen erarbeitet. Zum Beispiel im NRW Fortschrittskolleg Arbeit 4.0, für das Universität Paderborn, Universität Bielefeld, die IG Metall NRW, it’s owl, Energie Impuls OWL und TBS NRW als Partner eng zusammenarbeiten.

Digitale Stadt: Paderborn

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde der Bogen vom Thema Digitalisierung zur Region gespannt.

„Dass die Stadt Paderborn offensiv die Herausforderungen der Digitalisierung annimmt, zeigt nicht zuletzt der Erfolg bei der Vorauswahl zum Wettbewerb Digitale Stadt“, präsentierte Prof. Dr. Jörg Müller-Lietzkow, Sprecher c-Netz – Verein für Netzpolitik, mit viel Herzblut den Beitrag der „Paderstadt“ und zeigte sich siegessicher mit Blick auf das Finale in Berlin. Und dass es Paderborn als einzige Kommune aus Nordrhein-Westfalen unter die besten fünf geschafft hat, freute auch den heimischen CDU-Landtagsabgeordneten Daniel Sieveke: „Durch die Kampagne wird nicht nur deutlich, dass sich die Paderbornerinnen und Paderborner für das Thema begeistern lassen, sondern auch, wie viel in der Region schon dazu vorangetrieben wurde und weiterhin wird.“

Der Kreisvorsitzende der Mittelstandsvereinigung Ulrich Lange konnte zufrieden auf einen intensiven  MIT-Abend zurückblicken und betonte, dass in allen Beiträgen sehr deutlich wurde, dass die Digitalisierung phantastische Perspektiven und Möglichkeiten biete. Angst vor ihr müsse eigentlich nur derjenige haben, der sie verdrängt oder versucht, vor ihr davonzulaufen. Ulrich Lange abschließend: „Wir als Mittelstandsvereinigung laufen nicht davon, sondern stellen uns schon seit geraumer Zeit den Herausforderungen dieser Digitalen Revolution. Und darum werden wir auch weiterhin in Politik und Wirtschaft davor warnen, noch zu lange an den Denkmustern des analogen Zeitalters festzuhalten.“ Denn dann werde man sehr schnell ein weiteres Opfer des „Digitalen Darwinismus“.